Wenn mich jemand am Anfang meines Studiums gefragt hätte, ob man Texte gendern sollte, dann hätte ich gesagt: Nein. Sollte man nicht. Das stört ja nur.

Heute sage ich: Ja. Sollte man. Weil es verdammt wichtig ist. Und wieso das so ist, möchte ich in diesem Beitrag kurz erklären.

Frauen mitmeinen funktioniert nicht

Sitzen zwei Homosexuelle im Flugzeug. Sagt die eine zur anderen: Wetten, jetzt haben sich alle zwei Kerle vorgestellt?

Ein oft gehörtes Argument gegen das Gendern ist, dass Frauen beim „generischen Maskulinum“ ja einfach mitgedacht werden. Studien zeigen aber, dass es daran berechtigte Zweifel gibt.

Der obige Witz ist hierfür ein gutes Beispiel: Die meisten Menschen, die ihn hören, denken zuerst wirklich an zwei Männer. Und das, obwohl „Homosexuelle“ nicht einmal eine rein männliche Form ist, sondern sowohl Männer als auch Frauen beschreiben sollte.

Im Zweifelsfall scheint der Mann in der deutschen Sprache aber Vorrang zu haben. Wer von „Polizisten“ spricht, erweckt bei seinen Zuhörern automatisch den Eindruck, es handle sich nur um Männer. Auch wenn sich eine Polizistin darunter befindet. Und mehrere Zuhörerinnen.

Was ist mit dem Lesefluss?

Ein oft gehörtes Argument gegen das Gendern ist, dass es den Lesefluss störe. Das ist – zumindest, wenn man gerade erst damit beginnt – vielleicht richtig. Ich halte es trotzdem für ein schwaches Gegenargument. Nur weil es ein bisschen anstrengend sein könnte, etwas zu verändern, heißt das nicht, dass die Veränderung falsch ist.

Ich lese und schreibe seit vielen Jahren gegenderte Texte und kann allen, die beunruhigt sind, versichern: Mein Lese- und Schreibfluss ist ungebrochen. Ich habe keine Schmerzen beim Lesen und stolpere auch nicht über Gendersternchen, Binnen-Is oder den Gendergap.

Außerdem denke ich, dass es ganz gut ist, wenn gerade die Menschen, die nicht gendern, anfangs über die entsprechenden Textstellen stolpern. Bei diesem Stolpern bemerkt man nämlich ganz konkret, dass es an der entsprechenden Stelle nicht nur um Männer geht. Das kann für den ein oder anderen Aha-Moment sorgen.

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