Gutverdiener*innen haben viel Geld, um etwas für den Klimaschutz zu tun. Könnte man meinen. Tatsächlich trifft oft das Gegenteil zu: Wer viel Geld verdient, kann der Umwelt auch viel schaden. Zum Beispiel durch einen hohen Energieverbrauch. Das zeigt eine Untersuchung des Umweltbundesamtes:

„Wenig überraschend ist, dass Angehörige der gehobenen Milieus den im Mittel höchsten Gesamtenergieverbrauch aufweisen (Abbildung E), da sie in der Regel über überdurchschnittlich hohe Einkommen verfügen und einen auf Status und Besitz ausgerichteten Lebensstil haben. Auf die gehobenen folgen mit einem Abstand von rund 3.000 kWh/a die kritisch-kreativen Milieus und dann der bürgerliche Mainstream. Den im Mittel geringsten Gesamtenergieverbrauch haben Angehörige der einfachen, prekären Milieus.“

Umweltbundesamt (Studie als PDF)

Konkreter: Während Menschen in den „Gehobenen Milieus“ im Schnitt einen Energieverbrauch von über 16.000 kWh/a haben, sind es in den „Einfachen, prekären Milieus“ weniger als 12.000 kWh/a.

Auf die Big Points achten

Anders gesagt: Wer weniger hat, lebt auch sparsamer – und damit umweltfreundlicher. Allerdings häufig nicht freiwillig, sondern aufgrund der eigenen Lebensumstände. Der oft gepredigte Minimalismus ist laut Silvia Follmann von Edition F  für viele deshalb kein Lifestyle, sondern  „beschissene Realität“.

Vor allem Gutverdiener*innen, die öfter als andere Bio-Produkte kaufen und Ökostrom beziehen, haben hingegen einen hohen Energieverbrauch. Sie sind „Klimabesorgte Klimasünder“, wie der Spiegel schreibt. Aber woran liegt das?

„Während die Menschen bio kaufen, weniger Fleisch essen und Fahrrad fahren, unterschätzen sie den CO2-Ausstoß durch ihre Fernreisen, ihre schlecht isolierte Wohnung und ihr Auto. Und das sind leider klimatechnisch die Big Points.“

Michael Bilharz, Umweltbundesamt, im Spiegel

Wie ich im Artikel über Verantwortung geschrieben habe: Ein paar kleine Schritte nach vorne bringen wenig, wenn man danach einen großen Sprung zurück macht.

Möglichst fossil-frei leben

Das Umweltbundesamt folgert aus seinen Daten, dass gerade Gutverdiener*innen ihren Energieverbrauch und ihre CO2-Emissionen senken sollten. Weil sie über dem Durchschnitt liegen, also besonders viel Einsparpotential haben. Und weil sie es sich leisten können, dafür viel Geld auszugeben.

Und was genau sollen diese Menschen tun?

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat in einem Blogartikel zusammengefasst, wie seine Familie privat versucht, fossil-frei zu leben. Sie bezieht 100% Ökostrom, hat Solaranlagen auf dem Hausdach, kocht und heizt mit Biogas, hat ihr Haus „ordentlich gedämmt“, erzeugt einen Teil des Warmwassers mit einer thermischen Solaranlage und hat einen hochmodernen Kaminofen.

Rahmstorf hat kein Auto, er fährt Fahrrad – bei weiten Distanzen Elektrorad. Er empfiehlt, regionale Lebensmittel zu kaufen und vor allem: keine Flugware und keine oder möglichst wenig Flugreisen. Im Spiegel wird empfohlen, wenn man doch mal fliegen muss/will, die Flugstrecke zu kompensieren: „Bei einem seriösen Anbieter wie Atmosfair oder myclimate, und zwar nicht nur den Flug, sondern den eigenen jährlichen CO2-Ausstoß.“ Das hat, wie ich bereits geschrieben habe, etwas von einem Ablasshandel, ist aber besser als einfach nur so zu fliegen.

Wenn man vom Verzicht auf das Auto absieht, machen die genannten Punkte klar: Klimaschutz im Privaten kann eine teure Angelegenheit sein. Zwar schreibt Stefan Rahmstorf, dass sich Solaranlagen beispielsweise nach etwa 15 Jahren rechnen – leisten muss man sie sich trotzdem erst einmal können.

Ohne die Politik geht es nicht

Michael Bilharz vom Umweltbundesamt gibt im Interview mit der Berliner Morgenpost übrigens ähnliche Tipps. Und verdeutlicht, warum die Politik für den Klimaschutz so wichtig ist:

„Wenn Sie nicht fliegen, verbessern Sie Ihre eigene CO2-Bilanz enorm. Aber Ihre individuelle Entscheidung verändert erst mal wenig. Das Flugzeug fliegt sowieso. Denn kaum jemand anderes wird es Ihnen gleichtun, solange das Fliegen so attraktiv und billig ist, weil Flugbenzin steuerfrei ist und Regionalflughäfen subventioniert werden. Da muss die Politik umsteuern.“

Michael Bilharz, Umweltbundesamt, auf morgenpost.de

„Die Klimakrise lässt sich nur politisch lösen“, schreibt auch Stefan Rahmstorf auf Twitter. Der vermutlich wichtigste Beitrag, den die meisten von uns zum Klimaschutz leisten können, ist also an der Wahlurne. Als Wähler*innen haben wir in der Hand, uns gegen ein „Weiter so“ zu stemmen.

Foto: robynm/pixabay (CC0)

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