Paketzusteller*in ist ein harter Job: Bei Subunternehmen angestellte Zusteller*innen arbeiten oft viel und schwer, bekommen dafür aber wenig Geld und Anerkennung – häufig bleibt aufgrund unbezahlter Überstunden deutlich weniger als der Mindestlohn.

Ich habe vor kurzem selbst mit einem ehemaligen Hermes-Fahrer gesprochen. Er hat von 13-stündigen Arbeitstagen erzählt: „Man geht arbeiten, schlafen, arbeiten, schlafen“, sagt er. Niemand will unter solchen Bedingungen schuften. Was erklärt, wieso viele der Fahrer*innen aus Osteuropa kommen: In ihren Herkunftsländern hätten sie eben noch schlechtere Arbeitsbedingungen.

Unternehmen boykottieren

Die Paketdienste wiederum predigen in Pressemitteilungen und in der Werbung, dass ihnen ihre Mitarbeiter*innen am Herzen liegen. Und wälzen gleichzeitig die Verantwortung für jeden Missstand auf ihre Subunternehmer*innen ab – die sie oftmals auf ihre eigenen Subunternehmen abwälzen. Am Ende will niemand Schuld sein, wenn Menschen zu illegalen Bedingungen arbeiten.

Trotzdem bestellen die meisten von uns fleißig online Päckchen – es ist einfach so praktisch. Und ich glaube auch nicht, dass die Lösung des Problems darin besteht, einfach gar nichts mehr zu bestellen. Erstens ist das keine realistische Lösung. Zweitens verschwinden dann einfach die Arbeitsplätze in der Branche – fraglich, dass damit irgendjemandem geholfen ist.

Ein pragmatischer Schritt könnte sein, nur noch ausgewählte Paketdienste zu nutzen. Im Gegensatz zu den anderen Branchengrößen stellen DHL und UPS die meisten ihrer Paketboten direkt an. Die Unternehmen können sich also nicht herausreden, wenn es Kritik an den Arbeitsbedingungen gibt. Und auch, wenn bei ihnen ebenfalls nicht alles perfekt läuft: Es gibt dort keine 13-stündigen Arbeitstage für einen Hungerlohn.

Wer den Fahrer*innen ihrer Arbeit erleichtern will, kann die Pakete zudem an eine Packstation schicken. Die Bot*innen haben dadurch weniger Stopps und die Gewissheit, dass die Sendungen auf jeden Fall angenommen werden.

Foto: The Royal Library, Denmark – no known copyright restrictions

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