Seit Jahren hört man von der vermeintlichen Politikverdrossenheit der Jugend. Aber: Viele junge Menschen setzen sich seit Monaten gegen den Klimawandel und die EU-Urheberrechtsreform ein – und bekommen ständig zu hören, sie hätten von beidem keine Ahnung.

So begeistert man junge Menschen nicht für Politik. So bringt man ihnen bei, dass sie nichts zu sagen haben. Was mit Blick auf die Demographie sogar teilweise stimmt: Die Jugend ist in der Politik eine Minderheit.

Aufgabe der Mehrheit ist es aber, Minderheiten zuzuhören, sie zu schützen. In der Debatte um das Urheberrecht wurden die Kritiker*innen hingegen diskreditiert. Und ja, auch sie haben ganz schön ausgeteilt.

Kein Schlag gegen Google

Axel Voss und andere Befürworter*innen haben sich mit ihrer erstaunlichen Unkenntnis aber auch angreifbar gemacht. Voss behauptet etwa, ich dürfe auf meiner privaten Website sämtliche Inhalte Dritter einfach so veröffentlichen. Das darf ich natürlich nicht. Und das ist nichts, was Voss wissen sollte. Das ist etwas, was er in seiner Position wissen muss.

Nach der Entscheidung gestern lese ich hier auf Twitter oft, man werde die Politiker*innen bei der kommenden EU-Wahl abstrafen. Keine Ahnung, ob das passieren wird, die Altersstruktur unserer Gesellschaft spricht aus meiner Sicht aber dagegen.

Jetzt wird vor allem spannend, wie die Reform in der Praxis umgesetzt wird. Ich bin mir aber – wie viele andere – ziemlich sicher, dass das am Ende kein Schlag gegen Google wird. Google kommt mit solchen Regelungen klar. Es wird ein Schlag gegen kleine Foren und Anbieter.

Die werden reihenweise nicht unter die Ausnahmeregelungen fallen. Außer sie gründen sich alle drei Jahre neu. Und sie haben weder die personellen noch die finanziellen Ressourcen, um allen Inhalten auf ihrer Plattform hinterher zu recherchieren.

Wenn wir Pech haben, geht die Vielfalt an Angeboten im Internet also zurück. Dagegen haben viele junge Menschen demonstriert. Von fehleranfälligen Uploadfiltern ganz zu schweigen. Eines ist nach der Abstimmung gestern deshalb sicher: Junge Menschen hätten derzeit gute Gründe, politikverdrossen zu sein. Bleibt zu hoffen, dass sie wie bisher weitermachen und sich für ihre Ideen und Ideale einsetzen. Allen Widerständen zum Trotz.

Foto: netzpolitik.org

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